Antibiotika im Tierstall

 In Allgemein

Aktuell 17.09.2017:

http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Gefluegelmast-Hoher-Einsatz-von-Reserveantibiotikum,colistin100.html

Aktuell 28.08.2017:

Das Bundelandwirtschaftsministerium will offenbar verhindern, dass noch vor der Wahl Daten über den Antibiotika-Einsatz auf Landes- und Kreisebene öffentlich bekannt werden:

tagesschau.de – „Maulkorb zu Antibiotika in Tierzucht“

—————————————————-

Multiresistente Erreger (MRE) im Krankenhaus sind eine zunehmende und ernstzunehmende Bedrohung. Im Jahr 2015 errechneten Forscher es könnten bald mehr Menschen an solchen Erregern sterben als an Krebs. Die Ursachen sind vielschichtig. Zu häufige Gabe und zu hohe Dosierung in der Humanmedizin, mangelnde hygiene im Krankenhaus, Einsatz in der Tiermast.

Die Politik hat wohl das Problem erkannt, viel gebessert hat sich allerdings nicht. Besonders ein Verbreitungsweg scheint dabei nach wievor unterschätzt zu werden. Es ist ein Thema ohne große Öffentlichkeit das sicher auch von Lobbyisten klein gehalten wird. Anders kann man sich das Verhalten des Bundesgesundheitsministerium nicht erklären.

Landläufig trifft man auf die Meinung, dass solche Erreger im Krankenhaus entstehen und sich von dort verbreiten. Es ist aber immer häufiger der Fall, dass Erreger auch in das Krankenhaus eingeschleppt werden. Die Quelle dieser Erreger sind dann meist landwirtschaftliche Betriebe. Durch die nach wie vor nahezu unkontrollierte Verabreichung von Antibiotika an die Nutztiere in solchen Betrieben bilden sich dort schon seit Jahren Multiresistente Keime. Betroffen sind vor allem die Landwirte selbst. Kleinste Verletzungen können oft weitreichende Folgen haben. Im Zuge einer Behandlung im Krankenhaus werden die Keime dort eingeschleppt. Oft helfen dann nur noch sogenannte „Reserveantibiotika“ als letztes Mittel.

Während die Fälle in den Krankenhäusern von Jahr zu Jahr zunehmen, verweist man im Bundesgesundheitsministerium auf Scheinerfolge. Der Verbrauch von Antibiotika in der Tiermedizin ist innerhalb von 3 Jahren von ca. 1.700 Tonnen auf ca. 800 Tonnen zurückgegangen. Eine trügerische „Wahrheit“. Viele Experten kritisieren, das für den Verbrauch das Gewicht heutzutage kein geeigneter Maßstab mehr ist. Es kommt auf die „Wirkstoffdosen“ an. Die Antibiotika stehen heutzutage in wesentlich höheren Dosen als Depotwirkstoffe zur Verfügung. Es ist daher in vielen Fällen nicht mehr erforderlich das Medikament täglich zu verabreichen. Eine Gabe kann bis zu 7 Tage wirken. Was sich aber noch hinter der Gewichtsreduzierung verbirgt, es kommen zunehmend auch die wohlgehüteten Reserveantibiotika zum Einsatz. Solche Reserveantibiotika können eine bis zu 40 mal höhere Wirkstoffkonzentration aufweisen als übliche Antibiotika und haben in der Tierzucht nichts verloren.

Ein großes Problem stellt dabei das tierärztliche „Dispensierrecht“ dar. Darunter versteht man die gesetzliche Erlaubnis apotheken- und verschreibungspflichtige Arzneimittel herstellen, mischen, lagern und verkaufen zu können. In Deutschland besteht hier für Tierärzte eine Ausnahme vom sonst üblichen Apothekenmonopol. Tierärzte dürfen Antibiotika lagern und verkaufen. Einige machen mittlerweile einen Großteil ihres Umsatzes mit dem Verkauf von Antibiotika. Wie wird nun eine Diagnose aussehen, wenn sich größere Mengen auf Lager befinden (Mengenrabatt!) die sich dem Verfallsdatum nähern …..

Einen ausführlichen Bericht zu diesem Thema hat der BR in seiner Reihe DokThema am 23.11.2016 unter dem Titel „Keime aus dem Tierstall – Wie gefährlich sind sie wirklich?“ ausgestrahlt.

Sie finden diesen Beitrag in der Mediathek des BR unter folgendem  Link:

http://br.de/s/2aRzzKc

Wie am Ende des Berichts gezeigt wird konnte in Dänemark der Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin durch beherztes Handeln der Politik drastisch reduziert werden. Der Verbrauch an Antibiotika ist eindrittel von dem was in der Deutschland verbraucht wird.

Um das zu erreichen sollte das Dispensierrecht für Tierärzte eingeschränkt bzw. ganz aufgehoben werden. Der Interessenskonflikt der sich daraus ergibt ist einfach zu groß. Die Qualität der tierärztlichen Behandlung und Beratung muss sich über eine Verringerung des Medikamenteneinsatzes definieren. Dafür erhält der Tierarzt ein angemesenes Honorar. Durch Reduzeirung der Medikamenteneinsatzes kann ein Teil des Honorars dann eingespart werden. Es darf nicht sein, dass sich eine tierärztliche Behandlung durch einen möglichst hohen Medikametenverbrauch finanziert.

Auch gehört der Einsatz von Reserveantibiotika in der Tiermedizin generell untersagt.

Das sind einfache Forderungen an die Gesetzgebung zum Wohle der Bürger. Warum es in Deutschland so schwierig ist Bürgerinteressen gegen Lobbyverbände durchzusetzen kann nur an den tiefen Verflechtungen zwischen Parteien und Lobbyorganisationen liegen.

https://www.change.org/p/wir-fordern-ein-ende-der-industriellen-massentierhaltung?utm_source=action_alert_sign&utm_medium=email&utm_campaign=732611&alert_id=ozQcTcLXLY_7ERgKfREIyd95iwSzjbePkVpLwe6B8MT3VkxxvhxVpQ%3D

 

Recent Posts

Leave a Comment